Die Arbeit mit Glaubenssätzen
Glaubenssätze (GS)
sind Überzeugungen mit direktem Einfluss auf unser Verhalten und unser
Erleben und prägen das Gefühl für unsere Identität. Erstaunlicherweise
spielt es für die Wirkung von Glaubenssätzen keine Rolle, ob sie
tatsächlich stimmen oder falsch sind. Wir müssen sie nicht einmal bewußt
wahrnehmen.
Glaubenssätze sind normalerweise echt
praktisch. Sie helfen uns, im Alltag zurecht zu kommen. Die
meisten Glaubenssätze sind uns nicht einmal bewußt, sondern arbeiten in
unserem Unterbewußtsein und lassen uns Dinge unbeschwert und wie
selbstverständlich tun: morgends aufstehen, ins Bad gehen, Zähne putzen,
frühstücken, zur Arbeit fahren und viele Dinge mehr, die wir tun, ohne groß darüber
nachzudenken und jedes mal wieder neu entscheiden zu müssen. Erst wenn
die Glaubenssätze nicht mehr richtig "funktionieren", merken wir, dass
etwas nicht stimmt. Wer sich jeden morgen ernsthaft fragt, ob er
tatsächlich aufstehen und zur Arbeit gehen soll, hat vermutlich ein
größeres Problem. Die Ursache könnte in konkurrierenden Glaubenssätzen
liegen, z.B.:
"Ich muß diese Arbeit machen, um genug Geld zu verdienen" (GS1)
"Wenn ich so weitermache, bekomm ich noch einen Herzinfarkt" (GS2)
Solch ein innerer Konflikt kostet viel Lebens-Energie und kann auf die Dauer tatsächlich krank machen. In der Beratung geht es darum, diesen Konflikt aufzulösen und Auswege aus diesem Dilemma zu finden.
Ein anderes Beispiel:
Der
Ursprung von Glaubenssätzen liegt häufig auch in dem, was uns Eltern
oder auch andere gesagt haben. Aus dem elterlichen Vorwurf "Du denkst immer nur an Dich" kann über die Jahre in der Selbsteinschätzung der Glaubenssatz "Ich bin egoistisch" (GS1) werden, verbunden mit der Überzeugung "Ich darf nicht egoistisch sein" (GS2). Auch
hier führen die konkurrierenden Glaubenssätze, die ggf. nicht einmal
mehr bewußt wahr genommen werden, in ihrer Wirkung zu einem inneren
Konflikt. Die Angst davor, als egoistisch zu gelten, bei gleichzeitiger
Überzeugung "Ich bin egoistisch" kann dazu führen, dass
ich im Umgang mit anderen übertrieben vorsichtig werde. Besonders dann,
wenn im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren aus den ersten beiden
Glaubenssätzen unbemerkt ein dritter fataler Glaubenssatz entsteht: "Ich darf nicht sein wie ich bin" (GS3).
Vielleicht versuche ich dann anderen etwas vorzuspielen oder bestimmten
Personen und Situationen aus dem Weg zu gehen. Ich werde in meinem
Verhalten zunehmend unsicher und das Gefühl der Entfremdung, also nicht
mehr ich selbst sein zu können, kann hinzukommen. Als
Gegenreaktion werde ich versuchen, wieder mehr ich selbst zu sein und
eigene Bedürfnisse in den Vordergrund stellen - also wieder egoistischer
werden, was ich ja eigentlich nicht darf. So beginnt ein Teufelskreis,
der ein normales Leben und Erleben deutlich beeinträchtigt und die
Durchsetzung berechtigter Eigeninteressen mehr und mehr erschwert. Am
Ende dieses Prozesses können ernste psychosomatische Erkrankungen
stehen. Insbesondere dann, wenn GS2 oder GS3 noch einmal zu "Ich darf nicht sein" (GS4) verkürzt ist.
Natürlich ist dieses Beipiel konstruiert und vereinfacht, um das Prinzip deutlich zu machen.
Aber Glaubenssätze können tatsächlich wie Fernsteuerprogramme wirken. Und daraus resultierende
Verhaltensmuster
können sehr mächtig sein - im positiven aber auch im negativen Sinne.
Sind Glaubenssätze widersprüchlich, unangemessen oder „falsch“, können
sie nicht nur die Erreichung unserer Ziele erschweren oder
Selbstverwirklichung und persönliche Weiterentwicklung behindern, sie
können auch für Schwierigkeiten im sozialen Umfeld, destruktive
Beziehungen, selbstschädigendes Verhalten oder sogar gesundheitliche
Beeinträchtigungen verantwortlich sein.
In der Beratung geht es darum, solche destruktiven Glaubenssätze zu erkennen und aufzulösen, bzw. umzuformulieren.