Andreas Sievers       - Unterstützung bei Entwicklung und Heilung
Die Arbeit mit Glaubenssätzen
 
Glaubenssätze (GS) sind Überzeugungen mit direktem Einfluss auf unser Verhalten und unser Erleben und prägen das Gefühl für unsere Identität. Erstaunlicherweise spielt es für die Wirkung von Glaubenssätzen keine Rolle, ob sie tatsächlich stimmen oder falsch sind. Wir müssen sie nicht einmal bewußt wahrnehmen.
 
Glaubenssätze sind normalerweise echt praktisch. Sie helfen uns, im Alltag zurecht zu kommen. Die meisten Glaubenssätze sind uns nicht einmal bewußt, sondern arbeiten in unserem Unterbewußtsein und lassen uns Dinge unbeschwert und wie selbstverständlich tun: morgends aufstehen, ins Bad gehen, Zähne putzen, frühstücken, zur Arbeit fahren und viele Dinge mehr, die wir tun, ohne groß darüber nachzudenken und jedes mal wieder neu entscheiden zu müssen. Erst wenn die Glaubenssätze nicht mehr richtig "funktionieren", merken wir, dass etwas nicht stimmt. Wer sich jeden morgen ernsthaft fragt, ob er tatsächlich aufstehen und zur Arbeit gehen soll, hat vermutlich ein größeres Problem. Die Ursache könnte in konkurrierenden Glaubenssätzen liegen, z.B.:
"Ich muß diese Arbeit machen, um genug Geld zu verdienen" (GS1)
"Wenn ich so weitermache, bekomm ich noch einen Herzinfarkt" (GS2)
Solch ein innerer Konflikt kostet viel Lebens-Energie und kann auf die Dauer tatsächlich krank machen. In der Beratung geht es darum, diesen Konflikt aufzulösen und Auswege aus diesem Dilemma zu finden.
 
Ein anderes Beispiel:
Der Ursprung von Glaubenssätzen liegt häufig auch in dem, was uns Eltern oder auch andere gesagt haben. Aus dem elterlichen Vorwurf "Du denkst immer nur an Dich" kann über die Jahre in der Selbsteinschätzung der Glaubenssatz "Ich bin egoistisch" (GS1) werden, verbunden mit der Überzeugung "Ich darf nicht egoistisch sein" (GS2). Auch hier führen die konkurrierenden Glaubenssätze, die ggf. nicht einmal mehr bewußt wahr genommen werden, in ihrer Wirkung zu einem inneren Konflikt. Die Angst davor, als egoistisch zu gelten, bei gleichzeitiger Überzeugung "Ich bin egoistisch" kann dazu führen, dass ich im Umgang mit anderen übertrieben vorsichtig werde. Besonders dann, wenn im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren aus den ersten beiden Glaubenssätzen unbemerkt ein dritter fataler Glaubenssatz entsteht: "Ich darf nicht sein wie ich bin" (GS3). Vielleicht versuche ich dann anderen etwas vorzuspielen oder bestimmten Personen und Situationen aus dem Weg zu gehen. Ich werde in meinem Verhalten zunehmend unsicher und das Gefühl der Entfremdung, also nicht mehr ich selbst sein zu können, kann hinzukommen. Als Gegenreaktion werde ich versuchen, wieder mehr ich selbst zu sein und eigene Bedürfnisse in den Vordergrund stellen - also wieder egoistischer werden, was ich ja eigentlich nicht darf. So beginnt ein Teufelskreis, der ein normales Leben und Erleben deutlich beeinträchtigt und die Durchsetzung berechtigter Eigeninteressen mehr und mehr erschwert. Am Ende dieses Prozesses können ernste psychosomatische Erkrankungen stehen. Insbesondere dann, wenn GS2 oder GS3 noch einmal zu "Ich darf nicht sein" (GS4) verkürzt ist.
 
Natürlich ist dieses Beipiel konstruiert und vereinfacht, um das Prinzip deutlich zu machen.
Aber Glaubenssätze können tatsächlich wie Fernsteuerprogramme wirken. Und daraus resultierende Verhaltensmuster können sehr mächtig sein - im positiven aber auch im negativen Sinne. Sind Glaubenssätze widersprüchlich, unangemessen oder „falsch“, können sie nicht nur die Erreichung unserer Ziele erschweren oder Selbstverwirklichung und persönliche Weiterentwicklung  behindern, sie können auch für Schwierigkeiten im sozialen Umfeld, destruktive Beziehungen, selbstschädigendes Verhalten oder sogar gesundheitliche Beeinträchtigungen verantwortlich sein.

In der Beratung geht es darum, solche destruktiven Glaubenssätze zu erkennen und aufzulösen, bzw. umzuformulieren.
 


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